Grimcoven – Rachedurst

Vorwort:

Willkommen zurück beim Spielekapitän, heute mit meiner Fan-Fiktion Kurzgeschichte zu dem kommen Spiel von Awaken Realms – Grimcoven. Der Inhalt bezieht sich auf die Informationen, die ich bei Gamefound gefunden habe, wenn euch das Setting zusagt, schaut hier doch gerne mal vorbei. Hintergrund Story ist also frei von mir erfunden, ich habe mich wie immer kreativ in der Welt des Brettspiels ausgetobt.

Bevor es losgeht und das ist wichtig, die folgende Kurzgeschichte ist düster und mit ordentlich roter Farbe geschmückt, also nichts für Kinder, ich versehe das ding mal mit einem 18+ Schild, nur um auf Nummer sicher zu gehen.

Jetzt viel Spaß.

Grimcoven

Aus freiem Willen und bei klarem Verstand

schwöre ich diesen feierlichen Eid.

Ich verschreibe mich der großen Jagd.

Im Angesicht der Angst werde ich nicht weichen.

Im Angesicht des Todes werde ich bis zuletzt kämpfen.

Wenn die Wehklage mich ruft,

werde ich der Versuchung widerstehen.

Und sollte ich diesen heiligen Eid brechen,

so mögen meine Brüder und Schwestern

ein Kopfgeld auf mich aussetzen.

So sage ich, der Jäger des Grimcoven.

Zitat: der Grimcoven-Zirkel, Vers 1 Abschnitt B

Part 1

In der Dämmerung einer düsteren viktorianischen Stadt, wo der Nebel wie ein gespenstischer Schleier über den Kopfsteinpflasterstraßen lag, schien die Zeit stillzustehen. Die schmalen Gassenwaren von hohen, schattigen Häusern gesäumt, deren Fassaden aus brüchigem Ziegelstein und verwittertem Holz bestanden. Die Fenster, oft mit schweren Vorhängen verhangen, nur gelegentlich flackerte ein schwaches Licht hinter den Scheiben, das die Dunkelheit durchbrach.

Der Geruch von nassem Stein und dem fernen Aroma von gebratenem Fleisch mischte sich mit dem modrigen Duft von feuchtem Laub. Ab und zu hörte man das Klappern von Hufen auf dem Pflaster, wenn eine Kutsche vorbeiraste, die von einem Pferd gezogen wurde, dessen Atem in der kalten Luft dampfte.

Dieses Mal hielt eine Kutsche mit einem knarrenden Geräusch vor einer schmalen, von Schatten umhüllten Gasse an. Der Hüter, in dunkler glänzender Rüstung, die im schwachen Licht der Gaslaternen schimmerte, öffnete die Kutschentür und stieg mit einem entschlossenen Schritt aus. Sein Umhang wehte leicht im kalten Wind, während er die düstere Umgebung musterte.

Sein Blick fiel auf die verwitterten Häuser, deren Fenster wie leere Augen schienen, die ihn beobachteten. Er wusste, dass sich das Böse in den dunklen Ecken verbarg, und er war entschlossen, es zu finden. Mit einem festen Griff um sein Schwert machte er sich auf den Weg, die Klinge bereit, um das Ungeziefer zu vernichten, das die Stadt heimsuchte.

Die Geräusche der Nacht waren gedämpft, nur das gelegentliche Knacken von Ästen und das Flüstern des Windes waren zu hören. Der Hüter bewegte sich mit einer Mischung aus Anmut und Entschlossenheit, seine Rüstung klirrte leise, während er durch die Gassen schritt. Er wusste, dass die Monster nicht nur körperlich, sondern auch seelisch korrumpiert waren – Wesen, die einst Menschen waren, nun aber von Dunkelheit und Verzweiflung verzehrt wurden.

Als er aus der Gasse zurück auf die Straße ging, hörte er, wie die Schilder kleiner Läden im Wind knarrten. Doch die Gesichter der Passanten waren von Sorgen gezeichnet, und die Gespräche waren leise, als ob man fürchtete, die Dunkelheit könnte ihre Geheimnisse belauschen.

Plötzlich hörte er ein leises, unheimliches Knurren vom anderen Ende der Straße. Sein Herz schlug schneller, und er zog sein Schwert, dessen Klinge im schwachen Licht aufblitzte. Mit einem tiefen Atemzug trat er vor, bereit, sich dem Ungeheuer zu stellen, das die Stadt terrorisierte. In diesem Moment war er nicht nur ein Jäger des Grimcoven, sondern auch ein Wächter der Hoffnung, entschlossen, die Dunkelheit zu besiegen und die Stadt von ihrem Fluch zu befreien.

Der Hund, von einer unnatürlichen Wut getrieben, stürmte auf ihn zu, seine Klauen kratzten über das Kopfsteinpflaster und hinterließen tiefe Rillen. Der Hüter stellte sich aufrecht und fest hin, seine Augen starr auf das Ungeheuer gerichtet.

Als der Hund näherkam, sprang er mit einem wütenden Bellen auf den Hüter zu. Er wich geschickt zur Seite aus und ließ die Klinge mit einem präzisen Schnitt durch die Luft sausen. Doch der Hund war schnell und wendig, und seine scharfen Zähne schnappten nur knapp an der Rüstung des Hüters vorbei.

Der Hüter wusste, dass er keine Zeit zu verlieren hatte. Mit einem kräftigen Schwung seines Schwertes zielte er auf den Kopf der Kreatur. Der Hund wich aus, doch Er war vorbereitet, drehte sich und führte einen weiteren Schlag aus, der das Ungeheuer an der Flanke traf. Ein schmerzerfülltes Jaulen hallte durch die Straße, und der Hund taumelte zurück, doch die Wut in seinen Augen erlosch nicht.

Der Kampf tobte weiter, während der Hüter und der korrumpierte Hund sich in einem tödlichen Tanz bewegten. Der Hüter nutzte seine Erfahrung und Geschicklichkeit, um den Angriffen des Hundes auszuweichen, während er gleichzeitig versuchte, die Kreatur mit präzisen Hieben zu treffen. Der Geruch von Blut und Verfall lag in der Luft, als Er schließlich einen entscheidenden Schlag landete, der den Hund zu Boden schickte.

Mit einem letzten, verzweifelten Aufbäumen gab das Ungeheuer nach, und Er stand über ihm, das Schwert erhoben. In diesem Moment war die Dunkelheit um ihn herum nicht nur eine Kulisse, sondern ein ständiger Kampf zwischen Licht und Schatten. Der Hüter hatte gesiegt, doch er wusste, dass dies nur der Anfang war. In dieser düsteren Stadt warteten noch viele weitere Monster darauf, besiegt zu werden.

Part 2

Die Dämmerung lag schwer auf der Stadt Crowholme, die sich in endlosen Gassen und grauen Straßen verlor. Nebel kroch aus den Ecken der dunklen Höhlen aus Backstein. Der Wind trug den bitteren Duft von Verfall, und in der Luft lag eine schleichende Unruhe, die selbst die Lichter der Gaslampen erstarben ließ. Die Stadt, einst ein Symbol für Fortschritt und Wohlstand, war nun ein Ort des Schmerzes, der Verzweiflung und des blutigen Chaos.

Alles begann mit einem gewöhnlichen Streit – der erbitterte Widerstand der Armen gegen die Machenschaften der Reichen, der Hunger gegen die Überflussgesellschaft. Doch aus diesem Schmelztiegel der Frustration und des Leidens wurde etwas Entsetzliches geboren. In den Gassen, wo die Verzweiflung der Arbeiter und die Gier der Herrschenden aufeinanderprallten, begann ein dunkles Ritual. Ein obskurer Kult, verborgen in den Schatten der Stadt, hatte etwas Entsetzlicheres in Gang gesetzt, ein Geheimnis, das den Körper verwandelte – ein Virus, ein unsichtbares Gift, das langsam das Fleisch befallen sollte.

Zuerst schien es wie ein Segen. Die Kranke, die Schwachen, die Gebrochenen – sie fühlten sich plötzlich wieder stark, voller Energie, als hätten sie die Last von Jahren abgelegt. Die jenen, die sich dem Virus hingaben, waren fähig, den Schmerz und die Müdigkeit zu überwinden, ihre Körper stärker und widerstandsfähiger zu machen. Doch es war eine trügerische Kraft. Wer sich der Macht hingab, wurde von ihr konsumiert, Schritt für Schritt, als ob der eigene Körper sich gegen den Träger selbst wandte.

Es begann mit einem Rausch von Kraft, einem Gefühl der Unbesiegbarkeit, das in den Adern brannte. Die Straßen, einst Orte der Angst, wurden zu Schlachtfeldern. Die Menschen kämpften mit einer Gewalt, die das Gewissen auslöschte, die Hände von Blut befleckt, doch keiner konnte aufhören. Jeder, der sich der Verlockung hingab, wurde nicht nur stärker, sondern verlor auch einen Teil seines Menschseins, ein Stück seiner Seele. Die Augen, einst von menschlichem Glanz erfüllt, begannen sich zu trüben, ihre Pupillen verwandelten sich in finstere Schluchten, und das Fleisch, das sie ehemals geschützt hatte, verwandelte sich in etwas anderes, in eine groteske, monströse Hülle.

Das Virus, das sie befiel, brachte sie an den Rand des Wahnsinns. In den Straßen fanden blutige Kämpfe statt, bei denen die einst stolzen Bürger nun nur noch Bestien waren, die in einem wütenden Tanz des Tötens gefangen waren. Der Himmel selbst schien das Drama zu beobachten, seine Wolken von einem gräulichen Rot durchzogen, als ob sie das Leiden der Stadt miterlebten. Jedes Gebet, das von den Kirchenmauern drang, wurde vom Wind verweht, und die letzten Hoffnungen, die in den Herzen der wenigen Verbliebenen glimmten, wurden durch das Gebrüll der Kreaturen zerschlagen.

Die Stadt verfiel weiter, und der Blutgeruch strömte aus jedem Winkel. Der Virus, der das Fleisch korrumpierte, ließ auch das Bewusstsein zerfallen. Diejenigen, die als letzte in der Stadt verblieben, kämpften nicht mehr gegen die Monster, die sie selbst geworden waren, sondern gegen die Flut von Erinnerungen und Schuld, die sie überrollte. Wer einmal die Schwelle überschritten hatte, konnte nicht mehr zurück. Die Grenze zwischen Mensch und Bestie, zwischen Menschlichkeit und Verderbnis, war zerbrochen, und die Stadt, die einst ein Symbol der Kultur und des Wohlstands war, war nun ein Makel in der Geschichte der Welt.

Die Straße, die einmal von Lichtern erleuchtet war, war nun ein dunkles Labyrinth aus Ruinen, wo der Tod die einzige Wahrheit war. Schmerz, leid und Kummer waren zu einer flimmernden Energie geworden, dass „Wehklagen“, die die Menschen wie Maden in einem fauligen Körper verzehrte. Und inmitten des Chaos, wo die letzten Reste der Menschlichkeit im Angesicht des Hasses und der Zerstörung zerbrachen, wuchs der Albtraum weiter – ein erbarmungsloser Zyklus von Tod und Blut, der niemals enden sollte.

Part 3

Die Jäger sind keine Engel, um die Seuche auszurotten. Sie sind erbarmungslose Veteranen. Sobald sie auf die Jagd gehen, sind sie entschlossen, jede Bedrohung zu vernichten, sogar ihre eigenen Gefährten, die von der Wehklage korrumpiert wurden.

Deshalb muss jeder Jäger vor Beginn der Jagd dem Zirkel beitreten und sich verpflichten, niemals zu fliehen oder den Kampf einzustellen, ungeachtet der Umstände.

Deswegen nennt man den Zirkel „Grimcoven“ – denn es ist nur ein herzloses Versprechen, bis zum Ende zu kämpfen.

Was auch immer das Ende sein wird.

Zitat: der Grimcoven-Zirkel, Vers 3 Abschnitt F

Der Regen fiel in dichten Schleiern, verwischte die alten Pflastersteine von Crowholme und ließ die Ruinen der einst prächtigen Stadt in einem tristen Grauton verschwimmen. Es war ein halbes Jahr vergangen, seit der Hüter hier abgesetzt wurde, und trotzdem schien die Zeit in dieser verdorbenen Ecke der Welt stillzustehen. Doch er wusste, dass er sich auf der richtigen Spur befand – der untote General, das Kopfgeld, das ihn endlich aus dieser Hölle herausführen würde.

Das dämonische Schwert an seiner Seite fühlte sich schwer an, als ob es das Gewicht des ganzen Leidens in der Stadt in sich trug. Seine Klinge war von einer seltsamen, pulsierenden Energie durchzogen, die ihn stets an das Verlangen nach Blut erinnerte. Je mehr er sich auf seine Jagd konzentrierte, desto mehr hörte er das Wehklagen, das von der Klinge ausging – ein Rufen aus der Dunkelheit, ein Mahnen, das ihn zu verführen versuchte. Es war ein stetiger Kampf, die Grenze zwischen dem, was er war, und dem, was das Schwert in ihm entfachen wollte, zu wahren. Noch war er stark genug, sich nicht vollständig der Macht des Schwertes hinzugeben, aber er wusste, dass er die Balance irgendwann verlieren könnte. Doch nicht heute. Nicht, bevor er den General fand.

Er durchbrach die Trümmer einer einst belebten Gasse und hielt inne. Vor ihm lag eine Frau, ihre Haut blass, die Augen leer und von einem seltsamen, schwärzlichen Glanz überzogen. Der Verfall, den die Stadt selbst durchzogen hatte, war nun auch in ihr gewachsen. Ihre Glieder zitterten, als sie ihn ansah, und der Gestank von Verwesung stieg von ihr auf. Die Korrumpierung hatte fast alles von ihr verschlungen, doch sie war noch nicht ganz verloren. Ein Funken von Menschlichkeit brannte noch in ihren Augen.

„Du suchst nach ihm… dem General“, flüsterte sie, ihre Stimme war von Schmerz und Husten zerfressen. „Ich kann dir sagen, wo er ist. Doch es gibt einen Preis, Hüter. Einen Preis, den du zahlen musst.“

Der Hüter ging langsam auf sie zu, das Schwert fest in der Hand, aber der Blick stets auf der Frau ruhend. Er hatte den Geruch des Verfalls längst verinnerlicht, wusste, dass er nicht mit Mitleid oder Mitgefühl hier war.

„Was willst du?“ fragte er, seine Stimme kalt und ruhig.

„Erlöse mich“, hauchte die Frau, als ob diese Worte die einzige Hoffnung für sie waren. „Ich… ich kann dir sagen, wo er ist, der General. Doch du musst mich befreien… bevor die Dunkelheit mich ganz verschlingt. Die Korrumpierung… sie ist fast abgeschlossen. Ich… ich kann nicht mehr…“ Ihre Worte verschlugen sich, als ihre Hand zitternd nach ihm griff.

Der Hüter sah sie an, das Schwert in seiner Hand zuckend. Die Wehklagen der Klinge hallten in seinem Inneren, drängten ihn, die Last der Entscheidung schneller zu fällen. Das Schwert verlangte nach Blut, nach einem Opfer. Aber war sie wirklich das Opfer, das er brauchte, um dem General gegenüberzutreten?

„Sag mir, was du weißt“, forderte er, „und ich erlöse dich.“

Die Frau atmete schwer, und mit jedem Atemzug schien sie noch mehr zu verfallen. Ihre einst schönen Züge waren jetzt von Eiter und schwarzen Adern durchzogen, und doch kämpfte sie noch um die Worte. „Er wartet in der alten Festung, bei den Trümmern des Staudamms… am Rand der Stadt. Er ist nicht… wie die anderen. Er… er wird dich… verändern… dich in das verwandeln, was du selbst jagst.“

Die Korrumpierung hatte ihre Kräfte fast vollständig übernommen, aber ihre Worte waren wahr. Er spürte es in den tiefen Ecken seines Verstandes. Der General war der Schlüssel, der die Kette endgültig sprengen würde. Der Hüter hatte sich auf diesen Moment vorbereitet, wusste, dass der letzte Kampf mit dem General nicht nur der letzte Schritt auf seiner Jagd war, sondern auch der Beginn einer Entscheidung, die ihn entweder zu einem Retter oder zu einem Monster machen würde.

„Du hast dein Wort gehalten“, sagte der Hüter und trat einen Schritt zurück. Die Klinge des Schwertes funkelte kalt im dämmrigen Licht.

Mit einem einzigen Schnitt beendete er ihr Leben. Es war ein schneller, präziser Hieb, der sie von der Qual erlöste und den Schmerz für immer aus ihren Augen gelöscht hatte.

Als der Hüter die Gasse verließ, entflammte ein helles Licht hinter ihm die Dunkelheit, der Wind, der durch die eng aneinander gebauten Häuser zog, brachte nun schwarzen Rauch mit sich.

Korrumpiertes Fleisch muss verbrannt werden, nur so schützt man die Seele davor sich in etwas schreckliches zu Verwandeln.

Noch mehr von Hass getrieben, machte der Hüter sich auf in Richtung Staudamm.

Part 4

Das Dämonenschwert definiert mich. Ich bin sein Hüter und sein Träger. Ich nähre es mit Blut, wie es verlangt, unsere Verbindung hat mich zur Jagd geführt. Es wird genug Blut für meine Klinge geben!

Zitat: Alte Notiz aus der Grimcoven-Waffenkammer

Der düstere Nebel, der die Straßen umhüllte, wurde dichter, je weiter der Hüter sich in den Außenbezirk wagte. Die Gassen, die einst von den Geräuschen des Lebens erfüllt waren, lagen nun unter einer bleiernen Stille, durchbrochen nur von den gelegentlichen, heiseren Lauten der Kreaturen, die in den Schatten lauerten. In der Ferne konnte er das unheilvolle Dröhnen des Staudamms hören, ein Geräusch, das wie das tiefe Brüllen eines Ungeheuers durch die verfallenen Gebäude hallte. Der untote General hatte sich hierher zurückgezogen, tief in das verwüstete Herz dieses verlassenen Bezirks, wo die Korrumpierung längst alles verschlungen hatte.

Der Hüter zog das dämonische Schwert enger an sich. Es vibrierte in seiner Hand, als spürte es die Nähe des Blutes, das es so dringend verlangte. Die Klinge war schwer, in den dunkelroten Schimmer des Schwertes war das bleiche Glühen von dämonischer Energie eingewoben – ein Verlangen, das den Hüter verfolgte, ihn drängte, die Jagd fortzusetzen, als ob das Blut der Kreaturen in seiner Nähe ihn von innen heraus verzehren wollte.

Der Außenbezirk, einst von Arbeit und Leben geprägt, war nun ein Ort des Verfalls. Die Straßen waren gesäumt von zerfallenen Häusern, die wie leere Hüllen in den Nebel ragten. Doch unter der Stille war etwas anderes, etwas Schreckliches: das ständige Knirschen und Stöhnen von Körpern, die sich in groteske, mutierte Formen verwandelten. Diese Kreaturen, die ehemals Menschen gewesen waren, trieben sich durch die Ruinen – blutverschmiert, ihre Körper von unnatürlichen Verformungen zerrissen, ihre Augen leer und voller Hass. Ein Fluch, eine Krankheit, die durch diese verlassene Stadt kroch.

Der Hüter schlich durch die verwinkelten Gassen, sein Blick ständig wachsam. Plötzlich hörte er ein Geräusch – ein leises Kratzen, das sich schnell zu einem dumpfen Knurren wandelte. Zwei dieser Kreaturen, ein Mann und eine Frau, ihre Gesichter verformt und von mutierten Zähnen durchzogen, tauchten aus dem Nebel auf, Ihre Haut war grau und schuppig, ein Schatten der Menschlichkeit. Mit wildem Geschrei stürzten sie sich auf den Hüter, ihre Hände in scharfe Klauen verwandelt.

Der Hüter zuckte nicht. Er zog das Schwert und ließ die Klinge mit einem fließenden Schnitt durch die Luft sausen. Ein kaltes, hasserfülltes Zischen, dann der Laut von zersplitterndem Knochen, als das Schwert in den Körper des Mannes eindrang und er in zwei Teile zerfiel. Die Frau jedoch sprang zur Seite, doch der Hüter war schneller. Mit einem weiteren Hieb durchtrennte er ihren Hals, und ihr Kopf fiel von ihren Schultern.

Blut spritzte über seine Kleidung, die Klinge glänzte im Dämmerlicht, und der Hüter spürte das vertraute Ziehen in seiner Hand, das Verlangen, weiter zu töten, weiter zu vernichten. Doch er hielt sich zurück. Die Jagd war noch nicht beendet, und die Wehklagen der Klinge verhallten nur für einen Moment.

Er setzte seinen Weg fort, schlich an weiteren mutierten Hüllen vorbei, die ihren Blick auf ihn richteten, aber nicht angriffen. Sie waren zu tief in ihren eigenen Wahnsinn verstrickt, zu sehr in ihre Verformung gehüllt, um ihm ernsthaft zu gefährden. Andere, hungrigere Kreaturen jedoch witterten die Nähe des Hüters und begannen, ihn zu umzingeln.

Der Hüter beschleunigte seinen Schritt und wich den Angriffen geschickt aus. Ein weiteres Mal ließ er das Schwert singen, diesmal in einem eleganten Bogen, der drei weitere mutierte Wesen in einem einzigen Hieb niederstreckte. Ihre Körper zerfielen zu Staub, als die Klinge ihre Lebensessenz absorbierte. Aber noch immer schien der Staudamm, das Ziel seiner Jagd, weit entfernt – ein dunkler Turm der Korruption, der aus den Ruinen der Stadt emporragte.

Der Hüter wusste, dass er sich der letzten Herausforderung näherten würde. Der General, der untote Krieger, hatte sich in den tiefen, vergessenen Ebenen des Staudamms verbarrikadiert – ein Ort, der von den Mutierten bewohnt wurde, ein Hort des Bösen. Es war kein Zufall, dass der General sich hierher zurückgezogen hatte. Die Korruption war wie ein giftiger Nebel, der sich im Wasser des Staudamms sammelte, der Fluch der Dunkelheit, der das Gebiet befallen hatte.

Der Eingang zum Staudamm lag nun vor ihm. Ein riesiges Tor aus rostigem Eisen und zerbrochenem Stein. Der Hüter stellte sich einen Moment lang davor und betrachtete das Tor, das wie die Zähne eines Riesenmauls in den Nebel ragte. Ein kaltes, drückendes Gefühl durchzog ihn. Das, was ihn hinter diesem Tor erwartete, war kein gewöhnlicher Gegner. Der General war nicht nur ein Krieger, er war der Wirt der Dunkelheit selbst, die sich in der Stadt ausgebreitet hatte.

Das Schwert in seiner Hand begann zu vibrieren, und das Wehklagen in ihm wurde lauter, drängender. Die Klinge verlangte nach dem letzten Schlag, dem endgültigen Akt der Zerstörung. Doch der Hüter wusste, dass dies nicht nur ein Kampf war – es war die Entscheidung über seine eigene Seele. Würde er dem General gegenübertreten und siegen, oder würde er sich selbst verlieren und in der Dunkelheit aufgehen?

Er hob das Schwert und trat vor das Tor. Ein letztes Mal atmete er tief ein. Dann stieß er die schwere Tür auf und trat in das Innerste des Staudamms, wo der General auf ihn wartete.

Part 5

Das Wehklagen ist die unsichtbare, unaufhaltsame Kraft hinter all dem Verderben und all der Verwandlung. Angetrieben von Leid und Unheil überflutet sie Crowholme und dessen Umgebung. Sie verformt und verdreht. Das Ergebnis ihres Wirkens sind die Gramgeburten.

Die schwere Eisentür des Staudamms stöhnte unter dem Druck, als der Hüter sie aufschob. Ein kalter Windstoß strich durch den Eingang und trieb die düsteren Nebelschwaden vor sich her. Dahinter lag nur noch Dunkelheit – eine Dunkelheit, die tief in den Eingeweiden des Staudamms zu wohnen schien. Die letzte Etappe seiner Jagd war gekommen. Die Luft roch nach Moder und Eisen, der Boden knarrte unter seinen schweren Stiefeln.

Das dämonische Schwert an seiner Seite zitterte, als würde es den bevorstehenden Blutrausch spüren. Es war hungrig, verlangte nach dem Tod, nach der Vernichtung. Die Klinge, von schwarzen Runen durchzogen, flimmerte im schwachen Licht der roten Notbeleuchtung, die hinter ihm verblassten. Doch der Hüter wusste, dass er keine Wahl hatte. Der General, dieser untote Krieger, hatte sich hier verschanzt, im Herzen der Dunkelheit. Der Weg führte nur zu ihm, dem Monster, das der Hüter in einem letzten Akt der Gerechtigkeit vernichten musste.

Die Tür schloss sich mit einem dumpfen Geräusch hinter ihm, und er ging weiter, den Blick fest auf den dunklen Gang vor ihm gerichtet. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Es war merkwürdig still. Kein Laut, kein Flüstern, nur das ferne Tropfen von Wasser, das irgendwo in den Tiefen des Staudamms versickerte.

„Komm, du verdammtes Ungeheuer“, murmelte der Hüter in die Stille, als seine Schritte hallend auf den Steinen widerhallten. „Ich bin hier.“

Die Klinge in seiner Hand pulsierte, ein gequältes Seufzen, das ihn immer näher zum Abgrund der Dunkelheit trieb. Die Wehklagen, die aus dem Schwert selbst strömten, waren nicht nur die Rufe von verlorenen Seelen, sondern ein immer lauter werdender Ruf, der versuchte, seinen Geist zu brechen. Der Hüter hatte sich lange gewehrt, doch er wusste, dass er dem Verlangen nicht mehr entkommen konnte. Der General war der Schlüssel – und das Schwert der einzige Weg, um diese verfluchte Stadt zu erlösen oder endgültig zu verderben.

Er kam in eine riesige Halle, deren Wände von feuchten, schwarzen Algen bedeckt waren, die wie die Finger einer riesigen, lebenden Kreatur in den Raum griffen. Der Schall seiner Schritte verschwand in der Weite, und er konnte fühlen, dass er nicht mehr allein war. Der General, das Untier, hatte ihn längst bemerkt. Und er hatte seine Diener auf ihn losgelassen.

Aus den Schatten traten Kreaturen hervor – missgebildete, blutverschmierte Gestalten, die mit ihren grotesken Körpern an den Wänden hafteten, wie aus den Albträumen der Stadt geboren. Die Augen dieser Wesen waren leer und von einem grässlichen Hunger erfüllt. Sie stürmten auf den Hüter zu, ihre Fänge blitzten im schwachen Licht, ihre Klauen scharten über den Boden.

Der Hüter zog das Schwert. Es zischte, als es die Luft Durchschnitt. Mit einem einzigen Schlag spaltete er das erste der Ungeheuer in zwei Hälften. Der Schmerz, der in der Klinge brodelte, verstärkte sich, doch der Hüter wusste, dass er nicht aufhören durfte. Die Kreaturen, die ihm entgegenstürmten, waren für ihn nur Hindernisse, die er mit seiner dämonischen Klinge vernichten musste. Jeder Schlag durchdrang ihre verkrümmten Körper, jedes Opfer nährte das Schwert und trieb ihn weiter in die Tiefen der Dunkelheit.

Doch als er sich den letzten dieser Kreaturen entledigte, trat er in die Mitte der Halle. Vor ihm stand der General – ein gewaltiges Ungetüm, das über zwei Meter groß war. Seine Haut war von grauem, rissigem Fleisch bedeckt, aus dem schwarze Adern und bizarre, flimmernde Wucherungen hervorstachen. In einer Hand hielt er ein Banner, das wie ein gewaltiger Streitkolben geformt war, mit Metallspitzen und abgerissenen Fäden, die im Dämmerlicht wie die Zähne eines Raubtiers glänzten.

„Du bist also der Hüter, der mein Ende bringen will“, dröhnte die Stimme des Generals. „Du bist stark, aber du bist verloren. Du wirst dich mir ergeben, genauso wie du dich dem Verlangen deiner Klinge hingeben wirst.“

Der Hüter spürte den Anstieg der dunklen Energie, die der General ausstrahlte. Der General wusste um den Fluch, der in ihm brodelte, das Verlangen nach Blut, nach Macht. Und er wusste, dass der Hüter nicht mehr weit davon entfernt war, den endgültigen Schritt zu tun.

Mit einem einzigen, schnellen Schwung ließ der General das Banner wie einen gewaltigen Streitkolben auf den Hüter herabsausen. Der Hüter konnte nur ausweichen, doch das Banner traf ihn dennoch am Arm, schleuderte ihn durch die Luft. Mit einem schmerzhaften Aufprall prallte er gegen die Wand, die Wände des Staudamms bebten. Sein Kopf schmerzte, sein Körper war erschöpft, doch das Schwert in seiner Hand pulsierte nur stärker, wie ein Sog, der ihn in die Dunkelheit zog.

Er kämpfte sich auf die Beine, doch seine Kräfte begannen zu schwinden. Die Klinge in seiner Hand nahm das Blut auf, das er verlor, nährte sich von seinem Schmerz, und mit jedem Tropfen wuchs das Verlangen. Ein verzweifeltes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er realisierte, dass der Kampf gegen den General nicht nur ein Kampf gegen das Untier vor ihm war, sondern auch gegen das Monster, das in ihm selbst wuchs.

Doch noch war er nicht verloren. Die Klinge, die sich in seiner Hand verwandelte, war nun mehr als nur ein Schwert. Sie war ein Teil von ihm, die Manifestation des Wehklagens, das in seinem Inneren widerhallte. Mit einem letzten Aufbäumen stürzte er sich auf den General. Die Klinge schnitt durch den Stahl des Bannertuchs, bohrte sich in das Fleisch des Generals. Ein höllischer, donnernder Schmerz durchzog ihn, doch der Hüter wusste, dass dies der Moment war. Das Monster in ihm konnte nicht mehr zurückgehalten werden.

Mit einem finalen, kraftvollen Schlag durchtrennte er den Kopf des Generals. Doch die Korruption, die in ihm loderte, war nicht gestoppt. In diesem Moment, als der General zu Boden fiel, begann der Hüter sich selbst zu verändern. Seine Haut verzerrte sich, und sein Körper wurde von der Dunkelheit durchzogen, das Schwert wuchs zu einer monströsen Hand, ein großes, zähnefletschendes Auge schlich sich in die Mitte seiner Brust. Sein Kopf formte sich zu dem einer Krähe, scharf, düster und hungrig.

Doch der Hüter – oder das, was von ihm übrig war – wusste, was er tun musste. Der Staudamm, der sich nur mit Hilfe der Energie des Generals instand hielt, müsste zerstört werden. Somit zerrte er seinen noch mutierenden Körper zu den alten Dieseltanks. Es war ein leichtes diese zu entzünden und den bereits brüchigen Staudamm zum Explodieren zu bringen.

Nach der Explosion öffnete sich ein klaffender Spalt in der Decke und Unmengen von Wasser des Stausees flossen hinein. Durch diesen Spalt warf der Hüter einen letzten Blick in Richtung Himmel, die Flammen erleuchteten die Dunkelheit, und als der Damm brach, stürzte der Hüter – nun das Monster – in den Abgrund, sein letzter Atemzug entglitt ihm in die Luft.

Der Himmel brannte, als der Damm zusammenbrach und in den Flammen verschwand, und mit ihm der einst stolze Hüter.

The End

Ich hoffe das hat euch gefallen, wollt ihr mehr solcher Kurzgeschichten hören, dann lasst mir doch gerne auf Instagram ein Follow da, folgt mir z.b. auf Spotify und bewertet dort meinen Kanal.

Danke fürs lesen und bis zum nächsten Mal, euer Spielekapitän.

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